Der Dispokredit fühlt sich oft harmlos an: Du zahlst kurz etwas, obwohl das Gehalt noch nicht da ist – und „nächsten Monat“ ist alles wieder okay. Genau so rutschen viele Menschen (gerade am Anfang der eigenen Finanzreise) in eine Dauerschleife: Konto im Minus, Gehalt kommt, Minus wird kleiner, Alltag läuft weiter – und am Monatsende bist du wieder im Dispo.
Das Teure daran sind die Dispozinsen. Sie wirken leise im Hintergrund, werden aber schnell zu echtem Geldverlust, vor allem wenn du länger im Minus bleibst.
In diesem Artikel bekommst du eine einfache Erklärung: Wie teuer ist der Dispokredit wirklich? Und vor allem: Wie kommst du da wieder raus, ohne dich zu überfordern?
Was sind dispozinsen überhaupt?
Dispozinsen sind die Zinsen, die deine Bank berechnet, wenn dein Girokonto ins Minus rutscht: innerhalb deines eingeräumten Disporahmens. Der Dispo ist wie ein Kredit, den du automatisch nutzt, sobald dein Kontostand unter 0 fällt.
Warum sind die Zinsen so hoch? Weil die Bank bei einem Dispo keine feste Rückzahlung vereinbart. Du kannst theoretisch jederzeit im Minus bleiben. Dieses Risiko lässt sich die Bank bezahlen – durch höhere Zinsen als bei vielen anderen Kreditarten.
In Deutschland liegen Dispozinsen je nach Bank oft in einem breiten Bereich – sie können knapp über 7 % liegen oder fast 15 % erreichen.
Wie teuer ist der Dispokredit wirklich?
Der wichtigste Punkt: Dispozinsen werden meist täglich berechnet (genauer: auf Tagesbasis, abgerechnet monatlich oder quartalsweise – je nach Bank). Das heißt: Jeder Tag im Minus kostet Geld.
Viele unterschätzen die Kosten, weil sie nicht als „große Rechnung“ auftauchen, sondern als kleine Zinsposition auf dem Kontoauszug.
Damit du ein Gefühl bekommst: Laut einer Verivox-Analyse lag der durchschnittliche Dispozins bei 11,31 %, und manche Banken verlangen nahezu 20 %.
Mini-Beispiel, das du sofort verstehst
Stell dir vor:
- Du bist 1.000 € im Dispo
- Dispozins: 11,31 % pro Jahr
Grob gerechnet (vereinfacht):
- 1.000 € × 11,31 % = 113,10 € pro Jahr
- Das sind ca. 9–10 € pro Monat nur fürs „Minus-Sein“
Und jetzt der Haken: Wenn du jeden Monat wieder im Dispo landest oder im Minus bleibst, zahlst du diese Kosten dauerhaft – ohne dass sich dein Kontostand automatisch verbessert.
Dispozinsen berechnen: so geht’s einfach
Du brauchst keine komplizierte Formel, aber du solltest das Prinzip kennen:
- Wie hoch ist dein Minus?
- Wie hoch ist dein Dispozins (p. a.)? (steht im Preis- und Leistungsverzeichnis deiner Bank oder im Online-Banking)
- Wie lange bist du im Minus? (Tage)
Wenn du es ganz genau möchtest, hilft ein Dispo-Rechner, der Tageszins und Zeitraum berücksichtigt.
Shortcut für den Alltag:
Wenn du oft im Minus bist, reicht dir meistens diese Frage:
„Zahle ich jeden Monat spürbar Zinsen, ohne dass ich das Minus schnell abbauen kann?“ Wenn ja, ist es wahrscheinlich zu teuer.
Achtung: Überziehungszinsen machen’s noch schlimmer
Viele verwechseln Dispozinsen mit Überziehungszinsen.
- Dispokredit: Du bist im Minus, aber noch innerhalb deines eingeräumten Rahmens.
- Geduldete Überziehung: Du gehst über den Disporahmen hinaus oder du hast keinen Dispo eingerichtet.
Für diese geduldete Überziehung verlangen Banken oft noch höhere Zinsen. Computerbild berichtet z. B., dass der Zinssatz bei Überziehung im Schnitt deutlich höher liegen kann als der normale Dispozins.
Dispo vs. Ratenkredit: was ist günstiger?
Wenn du nur ein paar Tage im Minus bist und sicher weißt, dass dein Gehalt alles wieder ausgleicht, kann der Dispo okay sein.
Wenn du aber merkst:
- du bist regelmäßig im Minus,
- du kommst nicht dauerhaft raus,
- du zahlst jeden Monat Zinsen,
dann ist ein Ratenkredit oft günstiger, weil:
- Zinsen häufig niedriger sind als beim Dispo
- du eine feste Rate und Laufzeit hast
- du genau weißt, wann du schuldenfrei bist
Ein guter Vergleich nutzt idealerweise zuerst eine Konditionsanfrage (schufa-neutral), damit dein Schufa-Score nicht unnötig leidet.
Wann lohnt sich eine umschuldung des dispos?
Eine Umschuldung kann sinnvoll sein, wenn:
- dein Dispo mehrere hundert oder tausend Euro beträgt
- du schon länger im Minus bist (Wochen/Monate)
- du realistisch keine Chance hast, das Minus bald komplett auszugleichen
- du lieber eine feste monatliche Rate willst
Aber: Umschuldung ist kein „magischer Trick“. Sie hilft dir, Zinsen zu senken und Struktur reinzubringen, du musst trotzdem dafür sorgen, dass du nicht direkt wieder ins Minus rutschst.
So kommst du raus aus der Dispo-Falle
Hier sind Schritte, die für Einsteiger wirklich funktionieren – ohne Finanz-Studium:
1) Mach den Dispo sichtbar
Schreib dir auf:
- aktueller Dispo-Stand (z. B. -780 €)
- Ziel: „In 6 Monaten raus“
Das ist mental wichtig: Aus „irgendwie im Minus“ wird ein konkretes Projekt.
2) Lege eine kleine, feste Rückzahlrate fest
Beispiel:
- 780 € Minus
- 60 € pro Monat zurückzahlen
→ nach 13 Monaten bist du raus (und oft schneller, wenn du Extras reinsteckst)
3) Stoppe die Ursache, nicht nur die Folge
Typische Mini-Hebel:
- 1 Abo kündigen
- Handyvertrag anpassen
- wöchentlicher Essensplan (weniger Spontankäufe)
- 1–2 „No-Spend-Days“ pro Woche
4) Baue ein Mini-Polster auf
Schon 200–300 € Puffer verhindern oft, dass du bei der nächsten Überraschung wieder in den Dispo rutschst.
Dispozinsen sind nicht „nur ein bisschen“ teuer – sie können dich Monat für Monat Geld kosten, ohne dass du es richtig merkst. In Deutschland liegen sie je nach Bank teils deutlich über normalen Kredit-Zinsen.
Wenn du nur kurz überziehst, ist das meist kein Drama. Wenn du aber regelmäßig im Minus bist, lohnt es sich, die Kosten ehrlich zu berechnen und Alternativen zu prüfen: Rückzahlplan, Budget, Puffer – und bei dauerhaftem Dispo oft auch eine Umschuldung in einen günstigeren Ratenkredit.
Der wichtigste Schritt ist der erste: Zinsen verstehen, Kosten sichtbar machen – und dann einen klaren Plan bauen, der zu deinem Alltag passt.