Die Bonität entscheidet in Deutschland oft darüber, ob Kredite, Mietverträge oder Handyverträge genehmigt werden. Doch was beeinflusst den Score tatsächlich am meisten?
Sind es verspätete Zahlungen, die Höhe des Kreditlimits oder die Anzahl der Kreditanfragen?
In diesem Ratgeber erfährst du, wie die wichtigsten Faktoren zusammenhängen und wie du gezielt deine Bonität verbessern kannst.
Was bedeutet Bonität und wie wird sie gemessen?
Bonität beschreibt deine Kreditwürdigkeit und gibt Auskunft darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass du Zahlungsverpflichtungen fristgerecht erfüllst.
In Deutschland werden Bonitätsdaten von Auskunfteien wie der Schufa, Creditreform oder Bürgel gesammelt.
Die wichtigsten Informationen stammen aus deinen bisherigen Zahlungsverhalten, bestehenden Verträgen und Anfragen für neue Kredite.
Zahlungsverzug: Der größte Risikofaktor
Zahlungsverzug – also das verspätete Bezahlen von Rechnungen, Krediten oder Raten – hat den größten negativen Einfluss auf deine Bonität.
Bereits eine einzige gemeldete Mahnung kann deinen Score deutlich verschlechtern.
Häufige oder gravierende Zahlungsverzüge führen meist zu massiven Einträgen, die es schwieriger machen, in Zukunft neue Verträge oder Kredite zu bekommen.
Besonders kritisch sind unbeglichene Forderungen, die nach mehreren Mahnungen an Inkassounternehmen oder sogar ans Gericht übergeben werden.
Solche Einträge bleiben in der Regel mehrere Jahre gespeichert und sind für Banken und Vermieter deutlich sichtbar.
Praxis-Tipp:
- Bezahle Rechnungen immer pünktlich – am besten per Dauerauftrag oder mit Erinnerungsfunktion im Online-Banking.
- Bei Zahlungsschwierigkeiten immer sofort Kontakt mit dem Gläubiger aufnehmen und eine Ratenzahlung vereinbaren.
Kreditlimit: Weniger ist manchmal mehr
Das Kreditlimit beschreibt die maximale Summe, die dir von einer Bank oder auf einer Kreditkarte zur Verfügung steht.
Ein hohes Kreditlimit wirkt sich neutral oder sogar leicht positiv aus, solange du es verantwortungsbewusst nutzt und nicht komplett ausschöpfst.
Kritisch wird es, wenn du regelmäßig an die Obergrenze kommst oder mehrere Kreditrahmen parallel zu 100% nutzt.
Zu viele offene Kredite oder vollständig genutzte Kreditlinien signalisieren potenzielle Überschuldung und können den Score senken.
Banken bewerten nicht nur, wie viele Kredite du hast, sondern auch, wie viel davon bereits getilgt ist.
Praxis-Tipp:
- Halte deine Kreditkartensalden niedrig, idealerweise unter 30% des verfügbaren Limits.
- Beantrage nur Kredite, die du wirklich benötigst, und begleiche offene Kredite möglichst zügig.
Anfragen: Vorsicht bei der Kreditsuche
Jede offizielle Kreditanfrage, die bei einer Auskunftei gestellt wird, kann in deinem Datensatz erscheinen.
Viele Anfragen in kurzer Zeit signalisieren Unsicherheit oder finanzielle Engpässe und wirken sich negativ auf die Bonität aus.
Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen „Anfrage Kreditkonditionen“ (neutral, reine Konditionsanfrage) und „Anfrage Kredit“ (wirkt sich auf den Score aus).
Bei Vergleichen oder Informationsgesprächen solltest du ausdrücklich auf eine Konditionsanfrage bestehen.
Praxis-Tipp:
- Beim Kreditvergleich immer nach einer „Konditionsanfrage“ fragen, nicht nach einer verbindlichen Kreditanfrage.
- Mehrere Anfragen innerhalb weniger Tage bündeln, um den Score nicht unnötig zu belasten.
Welche Faktoren zählen noch?
Neben den drei wichtigsten Punkten gibt es weitere Aspekte, die deine Bonität beeinflussen können:
- Häufiger Wohnungswechsel: Stabile Wohnverhältnisse sind ein Pluspunkt.
- Viele Girokonten oder Kreditkarten: Zu viele parallele Konten können negativ wirken.
- Beruf und Einkommen: Ein festes Beschäftigungsverhältnis und regelmäßiges Einkommen stärken die Bonität.
Bonität nachhaltig verbessern: Schritt-für-Schritt-Strategie
- Zahlungen immer pünktlich leisten.
- Kreditlimits bewusst nutzen und nicht vollständig ausschöpfen.
- Kreditanfragen gezielt und nur bei Bedarf stellen.
- Überflüssige Konten und Kreditkarten schließen.
- Regelmäßig kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa anfordern und Daten prüfen.
Fazit: Zahlungsverzug wiegt am schwersten
Für eine starke Bonität ist Pünktlichkeit bei Zahlungen das A und O. Das Kreditlimit und die Anzahl der Anfragen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, haben aber einen geringeren Einfluss als ernsthafte Zahlungsverzüge.
Wer bewusst mit Finanzen umgeht und seine Daten im Blick behält, kann die eigene Bonität nachhaltig verbessern und sich viele Türen öffnen.