Eine Wohnung in Deutschland zu finden, ist in vielen Städten längst zu einem Wettbewerb geworden. Gerade in gefragten Lagen entscheiden oft nicht nur Sympathie und Timing – sondern ganz nüchtern: Ihre Bonität.
Viele Vermieter möchten vor Vertragsabschluss sicherstellen, dass die Miete zuverlässig gezahlt wird. Deshalb gehört die Bonitätsprüfung heute fast immer zum Standardprozess. Wer gut vorbereitet ist, kann sich damit einen echten Vorteil verschaffen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- warum Vermieter Ihre Bonität prüfen,
- welche Unterlagen wirklich wichtig sind,
- welche SCHUFA-Dokumente Sie benötigen (und welche nicht),
- welche Alternativen es gibt,
- und wie Sie trotz schwieriger Ausgangslage Ihre Chancen erhöhen.
Warum ist die Bonität bei der Wohnungssuche so wichtig?
Vermieter tragen ein finanzielles Risiko: Wenn Miete ausbleibt, entstehen schnell hohe Verluste – und ein Mieterwechsel kostet Zeit und Geld.
Deshalb möchten Vermieter bereits vor der Zusage wissen:
- ob Sie zuverlässig zahlen,
- ob es negative Zahlungserfahrungen gibt,
- und ob Ihr Einkommen zur Miete passt.
In beliebten Städten (z. B. Berlin, München, Hamburg, Frankfurt) ist die Situation besonders streng: Bei vielen Bewerbern werden häufig nur diejenigen ausgewählt, die vollständige Unterlagen und eine positive Bonitätsauskunft sofort vorlegen können.
Was bedeutet „Bonität“ bei Mietwohnungen konkret?
Für Vermieter ist Bonität vor allem eine Frage:
Wie wahrscheinlich ist es, dass die Miete pünktlich gezahlt wird?
Dabei zählen zwei Ebenen:
- Zahlungshistorie (SCHUFA / Auskunfteien)
- Zahlungsfähigkeit (Einkommen, Arbeitsverhältnis, Stabilität)
Ein sehr guter SCHUFA-Score kann helfen – aber Vermieter schauen meist weniger auf Prozentwerte und mehr auf eine klare Aussage: positiv oder negativ.
Welche SCHUFA-Auskunft wollen Vermieter wirklich?
Viele Wohnungssuchende machen den Fehler, das falsche Dokument zu bestellen. Für Vermieter ist in der Regel nicht die komplette Datenübersicht wichtig, sondern eine spezielle Auskunft.
Wichtig: SCHUFA-BonitätsAuskunft (für Vermieter)
Das ist das gängigste Dokument im Mietprozess. Der große Vorteil:
- es bestätigt Ihre Bonität in einer für Vermieter verständlichen Form
- es enthält keine unnötigen Details zu Ihren Finanzdaten
Merke: Vermieter wollen keine komplette Finanzakte – sie wollen Sicherheit.
Welche Unterlagen sollten Sie für die Bonitätsprüfung bereithalten?
Wenn Sie bei der Besichtigung überzeugen wollen, hilft eine vollständige Bewerbermappe. Idealerweise digital und ausgedruckt.
1) SCHUFA-BonitätsAuskunft (oder Alternative)
- sollte aktuell sein (nicht älter als 2–3 Monate)
- am besten sofort verfügbar
2) Einkommensnachweise
Üblich sind:
- die letzten 3 Gehaltsabrechnungen
- oder Arbeitsvertrag / Bestätigung des Arbeitgebers
Für Selbstständige:
- Steuerbescheid
- BWA (betriebswirtschaftliche Auswertung)
- Kontoauszüge (je nach Vermieter)
3) Mietschuldenfreiheitsbescheinigung
Eine Bestätigung vom aktuellen oder letzten Vermieter, dass:
- keine Mietrückstände bestehen
- die Miete regelmäßig gezahlt wurde
Nicht jeder Vermieter stellt sie aus – aber wenn Sie sie haben, ist das ein großer Pluspunkt.
4) Selbstauskunft
Das ist ein Formular, das Vermieter oder Makler oft vorgeben.
Typische Angaben:
- Name, Geburtsdatum
- Arbeitgeber, Beschäftigungsart
- Nettoeinkommen
- Anzahl der einziehenden Personen
- Haustiere (ja/nein)
Tipp: Füllen Sie die Selbstauskunft vorab aus, um bei der Besichtigung Zeit zu sparen.
So bestehen Sie die Bonitätsprüfung: 7 praktische Tipps
1) Halten Sie Ihre Unterlagen sofort bereit
Viele Vermieter entscheiden sehr schnell – manchmal noch am Tag der Besichtigung.
Wer sagt:
„Ich schicke das später nach“
verliert oft gegen Bewerber, die alles direkt vorlegen.
2) Achten Sie auf Aktualität (2–3 Monate Regel)
Eine Bonitätsauskunft sollte nicht zu alt sein. Vermieter erwarten in der Regel:
- max. 2 bis 3 Monate alt
Alles ältere wirkt unsicher oder unprofessionell.
3) Nutzen Sie anerkannte Alternativen zur SCHUFA (wenn sinnvoll)
Die SCHUFA-Auskunft ist nicht immer günstig. Je nach Situation können Alternativen helfen, vor allem wenn Sie schnell handeln müssen.
Mögliche Alternativen (je nach Akzeptanz beim Vermieter):
- Bonify
- BonitätsPass (itsmydata)
Wichtig: Nicht jeder Vermieter akzeptiert Alternativen – aber viele tun es, wenn die Unterlagen professionell aussehen und klar formuliert sind.
4) Prüfen Sie negative Einträge frühzeitig
Wenn Sie bei der Wohnungssuche plötzlich Probleme haben, kann ein negativer Eintrag der Grund sein – manchmal sogar ein falscher.
Das sollten Sie tun:
- Daten einsehen
- falsche Einträge korrigieren lassen
- erledigte Forderungen aktualisieren lassen
Je früher Sie das klären, desto besser.
5) Seien Sie offen, aber schützen Sie Ihre Privatsphäre
Vermieter dürfen nicht alles fragen – und Sie müssen nicht jede Information preisgeben.
Gute Strategie:
- relevante Unterlagen transparent vorlegen (Einkommen, Bonitätsauskunft)
- keine unnötigen sensiblen Daten geben (z. B. vollständige Kontoauszüge ohne Grund)
6) Zeigen Sie Zuverlässigkeit im Auftreten
Bonität ist nicht nur Papier – auch Verhalten zählt.
Was Vermieter positiv wahrnehmen:
- pünktlich zur Besichtigung erscheinen
- höflich, sachlich, gut vorbereitet
- schnelle Kommunikation
- vollständige Unterlagen
Das signalisiert: Diese Person ist zuverlässig.
7) Wenn Ihre Bonität nicht perfekt ist: Lösungen anbieten
Nicht jede Bonität ist ideal – aber auch dann gibt es Wege.
Mögliche Lösungen:
- Bürgschaft (z. B. Eltern)
- Mietkaution sofort nachweisbar
- höhere Sicherheit (z. B. Kaution über Bürgschaftsversicherung)
- Nachweis über Rücklagen
Wichtig ist: nicht abwarten, sondern aktiv Lösungen anbieten.
Welche SCHUFA-Score-Werte sind „gut“ für Vermieter?
Viele möchten wissen: Ab welchem Score bekomme ich eine Wohnung?
Eine grobe Orientierung (je nach Modell und Anbieter):
- über 90–95 %: gut bis sehr gut
- unter 90 %: kann kritisch werden, je nach Einträgen
- sehr niedrig (z. B. unter 50 %): Wohnungssuche wird deutlich schwieriger
Aber: Vermieter sehen oft nicht den exakten Score, sondern nur eine positive/negative Aussage. Deshalb ist die SCHUFA-BonitätsAuskunft so relevant.
Vorbereitung ist der Schlüssel zur Wunschwohnung
Bei der Wohnungssuche entscheidet Bonität häufig mit – besonders in Städten mit hoher Nachfrage. Wer die Prüfung des Vermieters bestehen will, sollte:
- eine aktuelle Bonitätsauskunft vorlegen,
- Einkommen und Stabilität nachweisen,
- Unterlagen vollständig und ordentlich vorbereiten,
- und bei Problemen aktiv Lösungen anbieten.
Mit einer gut strukturierten Bewerbermappe erhöhen Sie Ihre Chancen deutlich – und zeigen dem Vermieter sofort: Sie sind ein sicherer Mieter.